Bildung

"Alternatives Wirtschaften" -
eine Schülerveranstaltung der GTS Hamburg

Eine ganz besondere Veranstaltung – die in dieser Form ihre Premiere erlebte – fand im August 2019 im Rudolf Steiner Haus in Hamburg statt. Die Gemeinnützige Treuhandstelle Hamburg (GTS Hamburg) e. V. hatte gemeinsam mit den Bauckhöfen und der Bauckhof Mühle Schüler*innen aus Hamburger Waldorfschulen sowie aus Lüneburg zum Austausch eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, junge Menschen in der Frage nach alternativen Wirtschaftsformen zu impulsieren und aufzuzeigen, welche Modelle und Möglichkeiten in der Region existieren. Die Schüler sollten sich nicht nur theoretisch mit dem Thema auseinandersetzen, sondern auch im direkten Austausch mit den Unternehmern selbst, die seit vielen Jahren für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaftsweise in der Region stehen.Die Idee für diese Veranstaltung kam GTS-Geschäftsführer Matthias Zaiser im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der Bauckhöfe und der Bauckhof Mühle. Die Höfe als landwirtschaftliche Betriebe, aber auch die Mühle als produzierendes Gewerbe zeichnen sich darin aus, neue Wege zu beschreiten und alternative Wirtschaftsformen mit sozialem und gesellschaftlichem Engagement sowie ökonomischem Erfolg zu verbinden. Die Beteiligten und Organisatoren freuten sich über die gute Resonanz der Schulen. Über die Hälfte der Schüler diskutierte mit Friedemann Wecker (Bäuerliche Gesellschaft e. V.), Akteuren der Bio-Wertschöpfungskette und zwei jungen Menschen der „Fridays for Future Hamburg“-Gruppe. Claudine Nierth von „Mehr Demokratie e. V.“ startete mit einem Kurzvortrag in die Diskussionsrunde und übernahm die Moderation des Abends. Pointiert und kurzweilig stimmte sie jugendliche wie auch ältere Zuhörer auf die nachfolgende Diskussion ein: „Wir alle haben eine Verabredung mit der Zukunft. Was wir heute Abend und morgen in den Workshops entstehen lassen, hat auch eine Wirkung auf unsere Zukunft.“ Eindrücklich verdeutlichte sie, wer die eigentliche Gestaltungsmacht besitzt: „Das sind wir Bürgerinnen und Bürger. Denn wir können auf die Straße gehen, müssen keine Kompromisse machen wie die Politiker. Wir können unsere Meinung frei äußern und damit viel verändern. Einmal alle vier Jahre ein Kreuz zu machen, reicht nicht. Deshalb setze ich mich für mehr Bürgerbeteiligung ein. Als Bürger bürgen wir für das Ganze. Ich habe ein Interesse daran, mit Euch eine  Verabredung mit der Zukunft zu vereinbaren, wie wir schon heute anders leben können. Die entscheidende Frage ist: Wie möchtest du es haben? Wie möchten wir es haben? Und plötzlich, in dem Moment, in dem wir uns miteinander verabreden, sind wir nicht mehr allein und können uns mit einer ganzen Weltengemeinschaft verbinden.“ Die Atmosphäre und Energie des Abends bot es an, spontan das Podium für Inte ressierte zu öffnen. So diskutierten zwei junge Leute der „Fridays for Future Hamburg“-Gruppe zusammen mit Carsten Bauck, Bauckhof Klein Süstedt, und Friedemann Wecker sowie sieben Schülervertreterinnen und -vertretern. Spontan nutzten zwei weitere Schüler*innen die Gelegenheit, um sich einzubringen. Eine sehr lebhafte Gesprächsrunde mit Gedankenanstößen und regem Austausch entstand. Friedemann Wecker von „Farming for Future“ gab in seinem Vortrag Impulse zum Thema „Neue Wege in der Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel“. Zuerst einmal brauche es neue Utopien, Ideen und Visionen, den Wandel zu gestalten. „Die alten Modelle tragen nicht mehr“, so Wecker. Die Politik allein könne den Wandel nicht herbeiführen, denn sie werde zwischen den Anforderungen der Gesellschaft und der Wirtschaft zerrieben. Durch den aktuellen Weltklimabericht sei deutlich geworden, dass die Landwirtschaft wie bisher nicht mehr betrieben werden könne. „Die Notwendigkeit wurde erkannt, aber in der Umsetzung passiert zu wenig.“ Die positiven Impulse, die es schon gibt, müssten in die Realität umgesetzt werden, denn: „Die Antworten auf einige Probleme haben wir schon.“ Die ökologische Bewegung habe in den vergangenen zehn bis 15 Jahren viel erreicht, doch erhebliche Herausforderungen blieben. Wecker warf auch den Gedanken auf, wofür die jungen Menschen ihre Lebenszeit zur Verfügung stellen wollen. „Fragt euch, ob eure Energie zu eurer Berufung passt.“Im Mittelpunkt der Diskussion stand jedoch die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen. Denn jeder Mensch ist ein Teil des Problems – doch wie wird er Teil der Lösung? Auch die Frage nach den Grenzen des kapitalistischen Systems wurde laut. Geht es darum, viel Geld zu verdienen, um damit etwas Gutes zu bewirken? Müssen wir uns an das System anpassen, weil es nun mal so ist? Oder können wir als Teil des Systems dieses sogar verändern? Die Schüler*innen waren der Meinung, dass jeder mit seinem kleinen Beitrag im Umwelt- und Klimaschutz etwas bewirken kann. Dazu müssten die Menschen in einen stärkeren Austausch kommen, Ideen und Inspirationen teilen. Carsten Bauck riet den jungen Menschen, zum Beispiel vehement die versprochene Transparenz der Lebensmittelhändler durch Aktionen einzufordern. „Wenn ihr hinterfragt und reflektiert, dann bricht das System wie ein Kartenhaus zusammen.“Am folgenden Tag fanden verschiedene Workshops statt, die die Schüler*innen frei wählen konnten und in denen spannende Fragen bewegt wurden: von den Auswirkungen einer veganen Ernährungsweise über das Bodenleben im Garten des Steiner Hauses bis zur Gründung eines eigenen Start-Up-Unternehmens. Abgerundet wurde das Angebot von einer Bildungsmeile zu alternativen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in Deutschland. Es waren sehr gelungene zwei Tage, voller Eindrücke für alle Beteiligten, mit einer Begegnungsmöglichkeit der Waldorfschüler*innen untereinander.

Musikfreizeit für Streicher

In einem alten Bauernhaus in der Nähe von Plön, umgeben von Wiesen und Feldern und einem See mit Badesteg und Kanus, findet seit 2010 eine Musikfreizeit für junge Streicher statt. Im großen ehemaligen Heuboden kann Orchester gespielt und gesungen werden; dort findet auch das Abschlusskonzert für die Eltern statt.

Täglich gibt es zwei Orchesterproben und zwei Kammermusikproben. Jedes Kind spielt sowohl im großen Orchester als auch in einer Kammermusikgruppe.  Außerdem singt die Gruppe zweimal täglich Kanons und mehrstimmige Lieder. Dazwischen bleibt für die Kinder Freizeit zum Spielen, Baden und Bootfahren, aber auch zum Üben. 

Die Streicherfreizeit ist ein Angebot in den Sommerferien für 43 Schüler von der 4. bis zur 9. Klasse. Träger der Schülerfreizeit ist der Verein MenschMusik e.V..

Weitere Informationen finden sich unter www.menschmusik.de.

Waldorf 100 Hamburg – Learn to change the world

Ein Jubiläumsfest mit einer Fülle Darbietungen und herzlichen Begegnungen hat am Freitag, den 13. September 2019 Waldorfbegeisterte aus ganz Norddeutschland nach Hamburg gelockt. In der Laeiszhalle und auf der Rollschuhbahn in Planten un Blomen wurden 100 Jahre Waldorfpädagogik gefeiert. Fünf Aufführungen mit zahlreichen Beiträgen aller zwölf Hamburger Waldorfschulen – also auch der heilpädagogischen Schulen – das bunte Fest voller zukunftsfähiger Impulse auf der Rollschuhbahn, ein Konzert und der Festakt am Abend in der Laiszhalle boten ein lebendiges Rahmenprogramm.

Mathias Mainholz begrüßte bei einer der fünf Monatsfeiern die Zuschauer*innen mit den Worten „Willkommen Waldorf 100!“ und ging darauf ein, dass um kurz nach 8 Uhr jeden Morgen alle Waldorfschüler*innen in Hamburg und weltweit den Morgenspruch sprechen. Aufgrund der Zeitverschiebung geht er also wie das Vogelgezwitscher täglich einmal um die Welt – das verbindet und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl.

Die Darbietungen boten von Eurythmie über Volkstanz, Akrobatik, geistreichen Wortbeiträgen kombiniert mit Kostümen und Bewegung bis hin zu Musik und Chorgesang eine breite Vielfalt.

Aud dem Waldorf-Festplatz auf der Rollschuhbahn konnten die Schüler schmieden, mit Leder arbeiten, schnitzen, filzen, an einem großen, von Stockmar gesponserten Stand kneten und malen. Sie konnten für die Zukunftsfähigkeit unseres Planeten tätig werden, indem sie lernten, eigenes Waschpulver, Wachstücher als Ersatz für Alufolie und Limonade herzustellen. Die etwas Größeren waren unter anderem beim Basketballspiel mit den St. Pauli Bats anzutreffen, bei der allseits beliebten Fotobox oder auf der Open Stage. Denn bei schönstem Sonnenschein spielten dort verschiedene Schülerbands und Singer-Songwriter und bei einem Eis oder kühlen Getränk konnten die Gäste u.a. einer Version von Radioheads’ Lied „Creep“ lauschen.

Im Kleinen Saal war neben anderen Gruppen die Theater AG der Rudolf Steiner Schule Bergstedt zu erleben, der Chor aus der Harburger Schule, das Krawehl Quartett, das Regine Sievert-Wolff Tanztheater, Eurythmie aus Harburg, Akrobatik aus Bergstedt und das Kabarett „Der lachende Anthroposoph. Am Abend gab es ein besonderes Konzert zu hören, bei dem Markus Stockhausen die „Miniatur einer Seelenreise“  und „Hamdelaneh – aus einem Herzen“ darbot, während Stephan Schad mit Henning Kiehn „Der Kontrabass“ zum Besten gab.

Die Entertainerin und Soul-Diva Love Newkirk führte das Publikum durch den Abend, den das Oberstufenorchester der Rudolf Steiner Schule Wandsbek unter der Leitung von Sonja Zimowski mit einer Ouvertüre eröffnete. Der Staatsrat der Behörde für Schule und Berufsbildung, Rainer Schulz, richtete seine Glückwünsche an die Waldorfschulen und sprach ihnen große Anerkennung für ihr pädagogisches Konzept aus. Danach begeisterte das Oberstufenorchester Wandsbek erneut, dieses Mal unter der Leitung von Kolja Zimowski. Es spielte das Gewinnerstück des internationalen Waldorf 100-Kompositionswettbewerbs, „Procession – Contraction – Metamorphosis“ von Haihui Zhang, Studentin der Manhattan School of Music.

Weitere Informationen finden sich unter www.waldorf-100.org.

Modellschul-Netzwerk für Kinderrechte und Demokratie

Kinderrechte- und Demokratieschulen machen sich auf den Weg, die besonderen „Menschenrechte für Kinder“ ganzheitlich umzusetzen: als Werte- und Gestaltungsrahmen für das Lernen und Leben an der Schule. Kinder und Jugendliche lernen ihre Rechte kennen und sie aktiv auszuüben –  im Unterricht, in Projekten, im gesamten Schulleben und durch geeignete Partizipationsstrukturen. Alle an Schule Beteiligten entwickeln eine menschengerechte Kultur des Miteinanders in pädagogischen Beziehungen und der Kinder untereinander für eine Schule, die ein gutes Leben heute und in Zukunft fördert.

In Hessen arbeiten derzeit rund dreißig Grund- und weiterführende Schulen im Modellschul-Netzwerk für Kinderrechte und Demokratie zusammen, das Makista 2010 ins Leben gerufen hat. Das Kultusministerium hat die Schirmherrschaft für das Programm übernommen. Es wurde u. a. von Prof. Dr. Lothar Krappmann begleitet und von der Universität des Saarlandes und dem Institut für Qualitätsentwicklung in Hessen evaluiert. Die Kinderrechte wurden 2011 in den Hessischen Referenzrahmen für Schulqualität aufgenommen. Außerdem gibt die Kinder- und Jugendrechtecharta Hessen (2018) Orientierung und Empfehlungen zur Umsetzung der Kinderrechte.

Ein erfahrenes Team unterstützt die Schulen durch individuelle Entwicklungsgespräche, Studientage für das Kollegium, regelmäßige Beratung, Fortbildungen und Praxismaterialien. Die beteiligten Schulen tauschen sich in drei regionalen Kinderrechte-Prozessentwicklungsgruppen (PEG) unter gemeinsamer Leitung von Makista und dem Projekt des Hessischen Kultusministeriums „Gewaltprävention und Demokratielernen“ (GuD) aus.

Das Netzwerk steht unter Schirmherrschaft des Kultusministers. Kooperationspartner und Förderer sind das Landesprogramm „Hessen aktiv – für Demokratie und Extremismus“, die Zukunftsstiftung Bildung, Unicef Deutschland, das Deutsche Kinderhilfswerk, die Gemeinnützige Treuhandstelle Hamburg, die Linsenhoff-Stiftung und das Programm des Hessischen Kultusministeriums „Gewaltprävention und Demokratielernen“ (GuD).

Weitere Informationen finden sich unter www.makista.de/projekte/modellschul-netzwerk-fuer-kinderrechte-hessen/.

Bildungsfahrt in Kamerun

Im Oktober 2019 hatten zehn junge Kameruner und zehn deutsche Lehrkräfte die Gelegenheit, in der Stadt Bafoussam im Westen Kameruns gemeinsame Schulprojekte zu planen, durchzuführen und abschließend zu reflektieren. Der Schwerpunkt der Begegnung waren „koloniale Spuren des Kakao- und Kaffeeanbaus" – einerseits hinsichtlich der kolonialen Geschichtsaufarbeitung, andererseits um daraus gemeinsame Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Weiterer Schwerpunkt war der Faire Handel. Während der zweiwöchigen Begegnung lebten die Teilnehmenden gemeinsam mit Mönchen in einem Kloster.

Die Idee von NetzWIRkung e.V. ist es, Bildungsprojekte zwischen Nord und Süd zu initiieren und in diesem Rahmen Austauschbegegnungen zwischen Schüler*innen und Pädagog*innen aus Süd und Nord zu fördern. Zweck des Vereins ist die Förderung von Erziehung und Bildung, die Förderung von gegenseitiger Toleranz und von Völkerverständigung sowie die Förderung der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Nord und Süd im Rahmen von schulischer und beruflicher Bildung. Der Verein NetzWIRkung e.V. ist politisch und ideologisch ungebunden. NetzWIRkung e.V. hat sich im September 2013 gegründet und besteht aus sieben ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern sowie aus mittlerweile rund 100 Vereinsmitgliedern. Es gibt im Verein keine hauptamtlichen Mitarbeiter*innen.

Der Verein Educational Network Cameroon (EduNeC)wurde im August 2014 von kamerunischen Deutschlehrer*innen und Multiplikator*innen gegründet und versteht sich als ein Bildungsnetzwerk. Dieses Netzwerk fördert die Zusammenarbeit im Rahmen (außer-) schulischer und beruflicher Bildung, die Professionalisierung kamerunischer Deutschlehrer*innen durch Erfahrungsaustausch, regelmäßige Fortbildungen sowie durch eine internationale Vernetzung von Akteuren des Bildungsbereichs. EduNec initiiert und begleitet Austauschbegegnungen zwischen Kamerun und Deutschland, um gemeinsames globales Lernen zu ermöglichen.

Weitere Informationen finden sich unter netzwirkung.com.

Weitere Projekte finden Sie in den Jahresberichten der GTS.

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